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Wettbewerb Bundeshauptstadt im Naturschutz

3. Platz in der Teilnehmerklasse 10.000 - 30.000 Einwohner
hier: Die Laudatio der Deutschen Umwelthilfe (DUH)

Die Stadt Eckernförde mit rund 23.000 Einwohnern liegt an der Ostsee, am Ende der Eckernförder Bucht. Die Landschaft um Eckernförde wurde von der Weichseleiszeit vor 100.000 Jahren und vom Abschmelzen der Eismassen geformt. Eckernförde wird aus folgenden Gründen im Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz“ ausgezeichnet:

Stadtplanung und Naturschutz

Eckernförde hat sich seit vielen Jahren konsequent dem Naturschutz zugewandt. In politischen Gremien gilt das Prinzip „Naturschutz vor Naturnutz“. In der Bauleitplanung wird dieser Grundsatz umgesetzt und nach der für die Natur verträglichsten Lösung für Bauvorhaben gesucht. Was in vielen Orten mit einer Hemmung der Stadtentwicklung gleichgesetzt wird, ist in Eckernförde kein Hindernis. Bereits mit der Umwelterhebung von 1985 wurde eine grundlegende Änderung des Flächennut-zungsplanes eingeleitet. Naturschutz und wirtschaftliche bzw. bauliche Entwicklung sind als untrennbare Einheit in Eckernförde auch unter dem vierten Bürgermeister und nach Wechsel der politischen Mehrheit noch selbstverständlich.

Dadurch steigt die Lebensqualität für die Menschen vor allem im Bereich Naherholung und es werden selten gewordene Naturräume bewahrt oder sogar aufgewertet. Zum Beispiel werden in Eckernförde mit Hilfe von Luftbildaufnahmen potentielle Entsiegelungsflächen und Baulücken erfasst. Eckernförde hat bei diesem Wettbewerb in dem Bereich „Planungsinstrumente und Organisation“ mit einer sehr hohen Punktzahl den Grundstein für den diesjährigen Erfolg gelegt.

Kommunale Grünflächen

Im Themenfeld „Kommunale Grünflächen“ erzielte Eckernförde mit dem eingereichten Projekt „Naturspielfläche Schuch-Gelände“ die maximale Punktzahl. Eine ehemalige Gewerbebrache wurde zu einer 1,6 Hektar großen Naturspielfläche mit Heckenlabyrinth, Bolzplatz, Wasserspielplatz und Klettergarten umgewandelt. Zusätzlich wurden 3.000 Quadratmeter entsiegelt und zirka 4.000 Quadratmeter Sukzessionsfläche angelegt. Die grüne Freizeitfläche für Kinder und Erwachsene liegt in der Stadt und wird sehr gut angenommen. Vorteile dieser Fläche sind die Begehbarkeit von „wilder“ Natur und das intensive Erleben der aufkommenden Natur. Mit der angelegten Fläche konnten auch Besucherströme besser gelenkt und vom nahe gelegenen geschützten Moor abgehalten werden.  

Gewässer

Im Bereich „Gewässer“ hat Eckernförde eine ganze Reihe qualitativ sehr hochwertiger Naturschutzprojekte in den vergangenen Jahren umgesetzt. Zu einem wahren Symbol ist der „Obere Eimersee“ geworden. Mit einem Mörteleimer wurde eine was-serführende Rohrleitung blockiert und ein 1,5 Hektar großer Weiher aufgestaut. Zusätzlich entstand ein drei Hektar großes Feuchtgebiet, das zu einem ökologisch wertvollen Biotop geworden ist. Für verschiedene Enten- und Hühnervögel wurde der See schnell als neuer Lebensraum und Brutgebiet angenommen. Seltenere Vogelarten wie Bekassine, Zwergtaucher oder Rothalstaucher wurden ebenso in ihrem neu gefundenen Lebensraum beobachtet. Im Rahmen einer Kartierung wurden eine sehr vitale Erdkröten- und Grasfroschpopulation, aber auch Teichmolche und Moorfrösche festgestellt.

Neben der kostengünstigen Variante mit einem Eimer, hat sich die Stadtverwaltung dazu entschlossen die Mündung des Lachsenbaches erlebbar zu machen. Der Mün-dungsbereich liegt an der Uferpromenade und war bis 2002 verrohrt. Mit der Renaturierung dieses Übergangsbereiches zwischen Meer und Bach gelang es das Themenfeld „Bachrenaturierung“ in das Bewusstsein der Menschen zu rücken und dafür zu werben, dass ein verbleibendes Teilstück im Laufe der nächsten Jahre auch noch renaturiert wird. Für die Spaziergänger der Promenade wurden Hinweisschilder angebracht und Trittsteine über den Bach angelegt. Mit einer Beobachtungsplattform kann zudem überschaut werden, was es bedeutet einen Bach ökologisch durchgän-gig zu machen.

Stadtmarketing und Umwelt

Ein Markenzeichen der Stadt Eckernförde ist die konsequente Ausrichtung des Stadtmarketings auf Natur- und Umweltschutzbelange. Die Stadtverwaltung verknüpft in ihrem Marketing die Begriffe Ökologie und Ökonomie. Es wird nicht nur mit der Natur geworben, sondern ebenso für die Natur. Mit Sonderdrucken zu Naturschutzmaßnahmen wirbt die Stadt um Verständnis für die Anstrengungen, die unternommen werden und sorgt für eine sehr hohe Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Auch für Wirtschaftsunternehmen ist das positive Image der umwelt- und naturschutzfreundlichen Stadt interessant. Eckernförde unterstützt die Ansiedlung und den Aufbau junger Firmen im Technik- und Ökologiezentrum, die sich mit der ökologisch ausgerichteten Stadt gut identifizieren können.

Umweltbildung und Tourismusförderung

Eckernförde gelingt es in Kooperationen mit Naturschutzverbänden und örtlichen Vereinen, Naturschutzmaßnahmen, wie die Pflege von Streuobstwiesen, die Einrich-tung von Nistgelegenheiten oder die Pflege von Feuchtgebieten zu organisieren. Darüber hinaus gibt es erfolgreiche Kooperationen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung. Im Ostsee Infocenter wird ein maritimes Umwelterleben mit allen Sinnen ermöglicht. Diese Einrichtung wird von der Stadt unterstützt und zwischen 20.000 und 40.000 Besuchern nehmen jedes Jahr das breitgefächerte Programm in Anspruch. Das Zentrum ist eine gelungene Kombination von Umweltbildung und Tourismusförderung.

Veranstaltungen

In Zusammenarbeit mit dem UmweltInfoZentrum Eckernförde und den Verbänden wird jedes Jahr ein Kalenderheft erarbeitet, das den ganzen Sommer hindurch eine Vielzahl an interessanten Veranstaltungen rund um das Thema Natur und Umwelt vorstellt. Rund 160 Veranstaltungen werden so Jahr für Jahr mit immer unterschiedlichen und spannenden Themen angeboten.

Für diesen großen Einsatz im Naturschutz würdigen wir die Stadt Eckernförde und gratulieren zum dritten Platz in der Teilnehmerkasse 10.000 bis 30.000 Einwohner.