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Datum: 26.07.2021

Hummelsterben unter den Linden

An manchen Orten in Eckernförde können derzeit vermehrt tote Hummeln unter Lindenbäumen entdeckt werden.

Dies ist ein jährlich wiederkehrendes Phänomen, das sich näher zu betrachten lohnt, meint Jens Albrecht, Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung.
Im Sommer fallen Hummeln in ein regelrechtes „Nektarloch“, denn nur noch wenige verfügbare Pflanzen bieten im Juli / August ein Nahrungsangebot.

Die Linden stellen hier eine Ausnahme dar, so dass sich nun sehr viele Hummeln gleichzeitig auf ein begrenztes Nahrungsangebot stürzen.

Das hat zur Folge, dass nicht für alle Hummeln ausreichend Nektar zur Verfügung steht und viele an Entkräftung sterben.
Ein einfaches Rezept gegen das Hummelsterben gibt es nicht, sondern es muss ganzheitlich betrachtet werden.



Einerseits enthalten die vorherrschenden Monokulturen der Landwirtschaft keine Wildkräuter, die ein Blütenangebot bereithalten. Andererseits ist aber auch in den Städten und Dörfern eine Tristesse von Schottergärten, Kirschlorbeer, monotonen Rasen- und Pflasterflächen genauso zu kritisieren.
In der Landwirtschaft müssen konkrete ökologische Akzente gesetzt werden.
Dies können die Verbraucher durch ihre Wahl der Lebensmittel forcieren.
Gleichzeitig müssen sich Grundstücksbesitzer hinterfragen, ob sie in einem befriedigenden Maße etwas für den Insektenschutz tun. Planungsbüros könnten sich neue Nischen erobern, wenn sie eine Grundstücksgestaltung mit ökologischer Akzentuierung anbieten.
Gartenlandschaftsbau-Betriebe könnten neue Dienstleistungen offerieren, beispielsweise in der Umwandlung eines Schottergartens in einen Blühgarten.
Die „öffentliche Hand“ kann die Bewirtschaftungsintensität von Straßenrändern und Verkehrsinseln ökologisch optimieren.
Die Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten ist vielfältig:

• Rasen weniger häufig mähen, so dass Blüten erscheinen können.
• Blühflächen statt Rasenflächen anlegen.
• Balkonkästen mit für Insekten wertvollen Pflanzen ausstatten.
• Heideflächen anlegen mit der Besenheide-Urform (keine Knospenblüher).
• Staudenflächen anlegen, die zu unterschiedlichen Monaten blühen.
• Efeu ist eine immens wichtige Pflanze, die auch noch bis in den November hinein blüht.
• Begrünte Dachflächen auf Garagen und Dächern schaffen.
• Fassadenbegrünung etablieren.
• Fugenreiches Pflaster mit spezieller Kräuterfugenmischung verlegen.
• Kirschlorbeer und Thuja entfernen und durch einheimische Sträucher ersetzen.