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c) die Männer selber

Der Sänger Herbert Grönemeyer bringt es in der Zeile „Männer weinen heimlich, Männer kriegen ‘nen Herzinfarkt“ auf den Punkt.
Männer sterben früher, begehen öfter Selbstmord, sind öfter alkoholkrank und drogenabhängig und verbringen mehr Zeit im Gefängnis.
Ein Grund dafür ist die sogenannte „Toxische Männlichkeit“. Sie beschreibt den ungesunden Lebensstil, der durch stereotype, konservative Männlichkeitskonzepte entsteht.
Damit sind soziale Normen, Verhaltensweisen und Machtstrukturen gemeint, die Männer dazu veranlassen sich selbst (und anderen) zu schaden. Männer gehen beispielsweise nur halb so häufig zum Arzt wie Frauen und sterben daher öfter auch an heilbaren Krankheiten. Auch psychische Erkrankungen werden bei Männern deutlich seltener diagnostiziert, vor allem, weil sie weniger über ihre Gefühle sprechen und sich seltener Hilfe suchen.

Gleichstellung führt zu einem gesünderen Bild von Männlichkeit jenseits von vermeintlichen gesellschaftlichen Erwartungen wie sich ein Junge oder ein Mann zu verhalten hat á la „ein Indianer kennt kein Schmerz” und „echte Männer weinen nicht”.

Gelebte Gleichstellung hält für Männer außerdem ein größeres Repertoire von Berufs-und Lebensplanungen bereit. Es gibt zur Zeit noch viele Strukturen und gesellschaftliche Vorurteile die Männer an der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe und -wünsche hindern um nicht sozialer Ausgrenzung zu ertragen.  
Prominentes Beispiel ist die Vereinbarung von Beruf und Familie. Nach einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums möchten 42 Prozent der Männer eine Partnerschaft, in der beide erwerbstätig sind und sich etwa gleich viel um Haushalt und Kinder kümmern. Die Realität ist weit davon entfernt. Männer in längerer Elternzeit berichten häufiger als Frauen von Repressalien nach dem Wiedereinstieg und Männer die Teilzeit arbeiten sind nicht nur großem Erklärungszwang ausgesetzt sondern verpassen darüber hinaus den Anschluss an eine gute Lohnentwicklung.
Auch in der Berufswahl schränken Geschlechterstereotype viele Männer und Jungs noch ein.

Die Toxische Männlichkeit, in der der Mann u.a. als finanzieller Familienalleinversorger und emotionsloser „ganzer Kerl” definiert wird, ist nicht naturgegeben, sondern wird als Aufgabe und Wesens des Mannes in Teilen der Gesellschaft tradiert.

Für Männer (genau wie für Frauen) sollten alle Wege abseits von Rollenklischees ohne Diskriminierung offen stehen. In diesem Verständnis ist Gleichstellungsarbeit von, mit und für Männer wichtig und hat viele positive Auswirkungen auf ihre Lebensrealität und –qualität.