Lokale Umsetzung der Istanbul Konvention
Historie
Im Jahr 2011 wurde das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen beschlossen. Umgangssprachlich wird es daher als Istanbul Konvention bezeichnet. Seit dem in Deutschland 2018 erfolgtem innerstaatlichen Inkrafttreten sind alle staatlichen Ebenen, einschließlich der Kommunen, für die Umsetzung des Übereinkommens verantwortlich.
Eckernförder Weg: Handlungsempfehlungen statt Gesamtkonzept
In Eckernförde erfolgt die Umsetzung dieses Auftrags nicht über ein Gesamtkonzept oder einem allumfassenden Aktionsplan, da derzeit weder personelle noch finanziellen Ressourcen in ausreichendem Maße vorhanden sind.
Stattdessen hat die Gleichstellungsstelle in Kooperation mit vielen anderen Beteiligten einzelne Handlungsempfehlungen erarbeitet, die eine kleinteilige und praxisnahe Umsetzung ermöglichen. Diese Empfehlungen können bei zukünftigen Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene, die die kommunale Ebene betreffen, leicht angepasst werden.
Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Istanbul Konvention in Eckernförde
Zur Erleichterung der Zielkontrolle werden jeweils für drei Jahre zehn priorisierte Handlungsempfehlungen von der Ratsversammlung beschlossen, die innerhalb von drei Jahren umgsetzt werden.
Die priorisierten Handlungsempfehlungen wurden aufgrund der Größe und Relevanz des Wirkungsbereiches bei erfolgter Umsetzung sowie der Anzahl der Bezugspunkte in den Artikeln der Istanbul Konvention ausgewählt, um ein breit gefächertes Ergebnis zu generien
Umgesetzte Handlungsempfehlungen 2023 - 2025
Die untenstehenden zehn priorisierten Handlungsempfehlungen konnten in den drei Jahren wie geplant umgesetzt werden. Zusätzlich wurden die Empfehlungen "Etablierung eines Runden Tisches gegen Gewalt" und "Etablierung eines Hochrisikomanagement bei partnerschaftlicher Gewalt" realisiert. Weitere Informationen könne Sie dem Sachbericht zur Umsetzung 2023-2025 entnehmen.
- Aufbau eines Verteilers, um die kontinuierliche zielgruppenspezifische Bereitstellung von Informationsmaterial zu dem Thema Gewalt und Hilfemöglichkeiten in den städtischen Einrichtungen zu gewährleisten
- Bestückung aller städtischen öffentlichen (Damen) - WCs der Stadt mit Infomaterialien für Hilfemöglichkeiten im akuten Notfall, da Toiletten nach Übergriffen ein oft aufgesuchter Schutzraum sind
- Zentrale Erfassung aller Einrichtungen und Personen, die auf dem Gebiet des Schutzes und der Unterstützung von Opfern und Zeuginnen / Zeugen von Gewalt im Sinne des Artikel 18 in Eckernförde arbeiten
- Organisation einer Fachtagung „Runder Tisch gegen geschlechtsspezifische Gewalt“ (Arbeitstitel) als Auftaktveranstaltung für eine weitere Vernetzung
- Durchführung von Inhouse-Schulungen für die städtischen Beschäftigten der allgemeinen Hilfsdienste zur Sensibilisierung gegenüber häuslicher Gewalt
- Jährliche Durchführung des Theaterprojektes „David und sein rosa Pony“ für alle 2. Klassen der städtischen Eckernförder Schulen. Das Stück setzt sich mit einschränkenden Rollenbildern und Geschlechterklischees auseinander.
- Jährliche Durchführung einer Präventionseinheit „Häusliche Gewalt / Partnerschaftsgewalt“ in allen 7. Klassen der städtischen Eckernförder Schulen
- Unterstützung der Leitung der städtischen Kindertagesstätten bei der Entwicklung einesGewaltschutzkonzeptes
- Unterstützung der Leitungsebene der städtischen Schulen bei der Entwicklung eines „Schutzkonzeptes für Schüler*innen vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt“,
- Verlängerung der jeweiligen Förderperiode und Dynamisierung der Mittel für die Eckernförder Frauen- und Mädchenberatungsstelle !Via.
Für 2026 bis 2028 sind aktuell die Realisierung folgender zehn Handlungsempfehlungen geplant:
- Fortlaufende Bereitstellung und gegebenenfalls Erweiterung des zielgruppenspezifischen Informationsmaterials zum Thema Gewalt und Hilfemöglichkeiten in den städtischen Einrichtungen
- Fortführung der Organisation und Durchführung des Netzwerktreffens der Eckernförder Fachrunde gegen geschlechtsspezifische Gewalt
- Weiterhin jährliche Durchführung des Theaterprojektes „David und sein rosa Pony“ in allen 2. Klassen und der Präventionseinheit „Häusliche Gewalt / Partnerschaftsgewalt in allen 7. Klassen der städtischen Eckernförder Schulen
- Erweiterung des Verteilers für die kontinuierliche zielgruppenspezifische Bereitstellung von Informationsmaterial zu dem Thema Gewalt und Hilfsangebote auf die (städtischen) Sportstätten wie Sporthallen, Wellenbad, ggf. Skatepark und andere Freianlagen
- Aufbau einer Internetseite für verschiedene Zielgruppen, die alle relevanten regionalen und überregionalen Hilfsangebote zur Gewaltprävention und -intervention gemäß den Vorgaben der Istanbul Konvention bündelt, beispielsweise Beratungsstellen, Schutzangebote, medizinische Versorgung, psychologische Unterstützung, rechtliche Hilfen, sichere Unterbringung, Krisenintervention, Präventionsprogramme, Bildungsangebote und Notfallkontakte
- Kopplung der städtischen Zuschüsse an Sportvereine sowie der Nutzung der städtischen Sportstätten durch Sportvereine an die Entwicklung eines vereinsspezifischen Schutzkonzeptes ab 2029. Für die Entwicklung der Schutzkonzepte wird den Vereinen in den Jahren 2026 – 2028 Unterstützung und Begleitung angeboten zum Beispiel durch die Durchführung von Workshops oder Vorträgen sowie die Bereitstellung von Informationsmaterialien zu dem Thema
- Kontaktaufbau zu Wohngenossenschaften und ähnlichen Einrichtungen, um die Möglichkeit der bevorzugten Behandlung bzw. Priorisierung bei der Wohnraumvergabe für gewaltbetroffene Frauen auf freiwilliger Basis zu prüfen und gegebenenfalls umzusetzen. Zielgruppe sind Frauen die aus dem Frauenhaus kommend eine Wohnung in Eckernförde suchen oder sich durch Wegzug aus einer Gewaltbeziehung lösen wollen. Sollte es zur praktischen Umsetzung kommen sind transparente Kriterien und eventuelle Begleitmaßnahmen zu entwickeln
- Bedarfsorientierte Fortbildung des jugendsozialpädagogischen Personals (Schulsozialarbeit, Streetworkerin, Mitarbeitende der offenen und aufsuchende Jugendarbeit) zu den Themenfeldern geschlechtsspezifische Sozialisation von Jungen, gewaltpräventive Jungenarbeit, Aufhebung von Rollenzuweisungen und Möglichkeiten der Vermittlung eines differenzierten gewaltfreien Bildes von „Männlichkeit“ und „Partnerschaft“
- Bedarfsorientierte Fortbildung des Personals der städtischen Kindertagesstätten zu den Themenfeldern genderbewusste Pädagogik, geschlechterbewusste Jungenarbeit, Aufhebung von Rollenzuweisungen und reflektierte Vermeidung von Geschlechterklischees in der alltäglichen Praxis
- Ermittlung eines passenden Theaterangebots und anschließende jährliche Durchführung eines altersgerechten Theaterprojekts zum Themenkomplex Geschlechterklischees in allen städtischen Kindertagesstätten